Vom Verlust des Heiligen und von der Sehnsucht nach Aufbruch

Bischof Stefan Oster legt eine exzellente und lesenswerte Analyse der gegenwärtigen Situation vor. In einer schonungslosen Klarheit legt er seinen Finger auf die wunden Punkte der gegenwärtigen Situation, in der das Heil zu erstreben, weltfremd klingt.
Wohin soll unsere Kirche gehen? Die Antworten von Bischof Oster sind auch nur vage Richtungsangaben, grobe Eckpfeiler, die wohl erst im Fortschreiten von der Volkskirche hin zur Entscheidungskirche deutlicher sichtbar werden.
Hier ein paar Zitate, die Appetit auf den ganzen Text in seinem gesamten Umfang machen sollen:

Der fast gänzliche Verlust einer Erfahrung von Ehrfurcht, Heiligkeit und Transzendenz geht einher mit einer Art gleichgültiger Hoffnungslosigkeit: Es glaubt kaum einer, dass die Begegnung mit dem Heiligen zu einer anderen inneren Haltung führt, es hofft wohl auch niemand mehr, dass sich die Erfahrung des Heiligen einstellen könnte – und daher wird es auch nicht vermisst: „Wir machen einfach weiter so wie immer.“

Eines der Hauptprobleme von damals für heute dürfte im Nachhinein sein, dass mit der großen und neuen „Weltoffenheit“ der Priester, der Ordensleute und der Kirche überhaupt der vom Konzil so betonte Heilsuniversalismus der Frohbotschaft („Christus ist für alle Menschen gestorben“) heimlich aber sehr wirkungsmächtig in eine Art „Heilsautomatismus“ umgekippt ist: Wenn Gott alle Menschen liebt und für alle gestorben ist, dann werden sicher auch alle erlöst, automatisch!

Ich frage mich ständig, warum eigentlich kaum einer sieht oder artikuliert, wie wenig fruchtbar die liberalen Ansätze heute sind: Wenn zum Beispiel unsere 500 000 Caritas-Mitarbeiter in Deutschland wirkliche Zeugen der Liebe Christi wären, dann müssten die Kirchen im Grunde voll sein von Menschen, die die Quelle dieser Liebe auch kennen lernen und zum Beispiel in der Eucharistie empfangen wollen.

Auch die so genannten Konservativen sind oft nicht fruchtbarer. Sie beharren zwar vielfach auf Dogma und Liturgie, aber nicht selten ist auch bei ihnen wenig zu erleben von einem wirklichen liebenden Dienst am Nächsten. Die bloße Beharrung auf einer satzhaften Wahrheit und korrekten Liturgie macht noch längst nicht das eigene Herz größer und weiter.

Aber Kirche von innen her gesehen ist im Herzen und Ursprung die Mutter des Herrn – ist Kirche als personaler, lebendiger Wohnort Gottes mitten in der Welt. Und je kirchlicher ein Mensch in diesem (!) Sinn wird, umso mehr wird er selbst teilhaftig dieses Geheimnisses: Wohnort Gottes in der Welt zu sein und geheiligt zu werden.

Die Pfarreien der Zukunft werden veränderte Pfarreien sein: Kleinere Einheiten von ernsthaft Gläubigen in einer größeren Pfarreinheit vereint. „Gemeinschaft von Gemeinschaften“ hat Bischof Klaus Hemmerle von Aachen schon vor Jahrzehnten formuliert: Gruppen von ernsthaft interessierten Christinnen und Christen, die sich wochentags zu Gebet, Glaubensvertiefung und diakonischem Engagement zusammen finden – und die im Bewusstsein leben, sonntags in der Eucharistie Teil des Leibes Christi sein zu dürfen – in einer Liturgie, die aus gläubigem Herzen kommt und aus dem Bemühen, unserem Gott auch das Beste schenken zu wollen, was wir haben und können.

Der Herr liebt die kleinen Anfänge, die Senfkörner – und er wird die Heiligen von morgen erwecken, die die Kirche ihren eigentlichen Auftrag neu entdecken lassen: Zum Lob Gottes da zu sein und da zu sein als Zeugin seiner erlösenden Barmherzigkeit für die Welt.

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