24 Wochen

[ich verrate hier wesentliche Szenen] Ein Film, der das Tabu “Spätabtreibung“ an einem herzkranken Kind mit Down Syndrom thematisiert. Der sich um Realitätsnähe bemüht, deshalb Laiendarsteller einbindet, die wirklich in diesen Berufen arbeiten. Der aber ein anderes Tabu aufrichtet: Es darf kein moralisches Urteil gefällt werden. “ich weiß nicht, ob es richtig oder falsch war, vermutlich beides“, sagt die Hauptdarstellerin Astrid Lorenz am Ende, zerrissen zwischen ihrem Bekenntnis “ich habe im sechsten Monat abgetrieben“ und dem dahin gehauchten “ich vermisse dich“ an ihren getöteten Sohn.

Ganz ehrlich, mich hat dieser Film fadisiert. Weil die Hauptdarsteller keine Akteure, sondern von ihrer Orientierungslosigkeit getrieben sind. Der Mann, der entwurzelt aus der kindlichen Religiosität, nur mehr eine dunkle Ahnung hat, dass eine unmenschliche Grenze überschritten wird. Der nicht weiß, wie er seiner Familie mit Orientierung dienen kann. Eine Frau, die darunter leidet, dass er ihr nie einen Antrag gemacht hat. Die alleine eine tödliche Entscheidung trifft. Zwar nicht leichtfertig, aber mit einer Ahnungslosigkeit über die Tiefe des Leids und die Möglichkeit, über sich hinauszuwachsen. Was ist dem Menschen zuzumuten – heißt anders gesagt: Wir können einander etwas zutrauen. 

Was ich in dem Film vermisst habe, ist diese Ahnung, welche Stärke für Menschen möglich ist. Keine Stärke, der Tränen fremd sind. Eine Stärke getragen von Hoffnung, gerade in dunklen Zeiten.Ich spreche dabei aus eigener Erfahrung. Als die Hebamme sagt: “Sie sind eine starke Frau“, hätte ich fast laut aufgelacht und protestiert. Ich habe starke Frauen in solchen Situation gesehen. Die Protagonistin ist es nicht. Weinerlich. Sich an ein vom Zeitgeist diktiertes Konzept vom leidfreien Leben klammernd – für das sie viel im Film leiden muss. Und danach noch mehr. Dabei wäre es naheliegend: ein gutes Leben ist ein Leben, in dem ich das Gute wähle, und nicht dem Gutfühlen erfolglos hinterher laufe.

Mein erstes Buch ist erschienen

Es ist vollbracht: meine Dissertation ist jetzt als Buch erschienen. Worum geht es – in aller Kürze: Um das Zweite Vatikanische Konzil. Genauer gesagt um die Kirchenkonstitution „Lumen Gentium“. Noch genauer um das erste Kapitel mit dem Titel „De mysterio ecclesiae“ – über das „Mysterium der Kirche“.

Die Kirche ist ein Mysterium – aber was heißt das?

Wie ein Freund feststellte: Die Kirche ist ein Mysterium. Nur was ist damit gemeint, wenn die Kirche so bezeichnet wird? Was ist überhaupt dieses Mysterium und welche Bedeutung hat Mysterium auf Kirche angewendet – noch dazu, da es eine Zeit gab, in der Mysterium und Sakrament gleichbedeutend waren? Und gibt es einen Unterschied zwischen Geheimnis und Mysterium?

Die vier Teile

Diese Fragen versuche ich in vier großen Teilen zu beantworten: Im ersten Teil zeige ich die Vorgeschichte auf, die im zweiten Teil mehr oder weniger wirkmächtig am Zweiten Vatikanischen Konzil wird. Ich arbeite hundert Bausteine heraus, hundert Gedanken, die das Konzil mit diesem Mysterium der Kirche verbindet.Der dritte Teil überlegt, wie das Konzil auszulegen ist und welche Philosophie im Umgang mit dem Mysterium zu beachten ist.

Schließlich zeigt der vierte Teil, meiner Meinung nach der spannendste und stärkste Teil dieses Buches, dass der Mysterienbegriff einseitige Kirchenbildern korrigiert – und genau diese Korrektur nehme ich bei drei berühmten Kirchenbildern vor: Kirche als „Communio“ im Kampf gegen das Böse vereint, der vom „Volk Gottes“ erfüllte Tempel und Kirche als Vereinigung der Braut mit dem „Leib Christi“. Spekulativ wird es, wenn ich die sieben Sakramente mit sieben Geheimnissen und sieben Mysterien sowie sieben Geistesgaben und den sieben Tugenden systematisiere. Am Ende schlage ich vor, für das Mysterium der Kirche das Bild der Jakobsleiter zu verwenden.

Das Buch erwerben

Herausgegeben wurde das Buch übrigens mit der finanziellen Unterstützung von Kardinal Schönborn und dem Förderverein Münchener Theologischer Studien beim EOS-Verlag: http://eos-verlag.de/de_DE/die-kirche-als-mysterium/

Als Buchhandlung in Österreich kann ich Tyrolia empfehlen: http://www.tyrolia.at/list?quick=Benedikt+Michal&sendsearch.x=0&sendsearch.y=0