Die Tagespost über die Zukunft der Kirche

Die Tagespost hat eine höchst lesenswerte Beiträge über die „Zukunft der Kirche“ in ihrem Feuilleton veröffentlicht, hier in meiner persönlichen Reihung:

Platz 3:

P. Karl Wallner schreibt, warum es „geistliche Orte“ braucht, die geistliche Erfahrungen ermöglichen, die aber auch als „Mission Camps“ fungieren: http://www.die-tagespost.de/feuilleton/forum/Orte-der-Gotteserfahrung-schaffen;art345,174759

Platz 2:

Johannes Hartl zerlegt gnadenlos die kirchensteuerfinanzierte Kirche in Deutschland (und wohl auch in Österreich) und zeigt ein pastorales Alternativmodell – ein „Pastoralspiegel“ der herausfordernden Art: http://www.die-tagespost.de/feuilleton/forum/Vom-Irrtum-niedrigschwelliger-Angebote;art345,174758

Das Rahner-Diktum vom mystischen Christen der Zukunft ist ebenso bekannt wie weitgehend folgenlos geblieben. Menschen, die heute spirituell auf der Suche sind, landen selten in christlichen Kirchen und dann noch am ehesten in Freikirchen. Der Spiritualitätsmarkt boomt derweil. Während die kirchlichen Mitarbeiter meist alle Hände voll damit zu tun haben, die Erwartungen geistlich nur oberflächlich interessierter Traditionschristen zu bedienen, fehlen Ressourcen, Sprachfähigkeit und pastorale Modelle, geistlich Suchende anzusprechen.

oder auch hier:

Die Versorgung durch die Kirchensteuer ermöglicht, dass höchst ineffektive Projekte, Strukturen, Behörden und Stellen jahrzehntelang weitergemacht werden, denn das Geld ist ja da. Sie bringt zwingend Unproduktivität hervor. Abhängigkeit von Gott und von Spendern hält Vision und Glauben frisch und zwingt zur ständigen Frage, ob es wirklich gelingt, Menschen anzusprechen. Die Beantwortung dieser Frage erfolgt ganz automatisch durch den Blick auf das Spendenkonto.

Platz 1:

Bernhard Meuser diagnostiziert ebenfalls messerscharf die Grundprobleme: http://www.die-tagespost.de/feuilleton/forum/Wie-sieht-die-Kirche-von-morgen-aus;art345,174765

Und wie die Kirche ihre Gestalt verloren hat, so hat auch das Leben des einzelnen Christen an Profil, Farbe, Format verloren. Man weiß nicht mehr, wofür das Christliche steht.

Seit mindestens zwei Generationen vermissen Katholiken in Deutschland katechumenale Prozesse, die sie in die Vollgestalt christlicher Existenz einführen, so dass man durch Partizipation und aus tiefster Überzeugung ein praktizierender Christ wird.

Was mir an Bernhard Meusers Artikel besonders gefällt, ist ein positiver und hoffnungsvoller Blick auf kirchliche Abwärtsbewegungen:

Diese Kirche und diese Art Christ zu sein stehen vor der Liquidation. Aber Liquidieren ist keineswegs schlimm. Es meint: Verflüssigen. Gefrorenes kann man verflüssigen; stehenden Gewässern tut Abfluss gut und faule Tümpel hören auf zu stinken, wenn sie in Fluss kommen. Jesus initiierte eine Lebensbewegung; ich wüsste nicht, dass er Bürokratien vorsah und Verwaltungstrakte ersehnte, auch nicht, dass er in Mt 25 an Sozialkonzerne dachte oder beim „Licht der Welt“ in Mt 5 an stilgerecht restaurierte Barockleuchter. Gebäude, selbst die herrlichsten Kathedralen, sind nicht essenziell für einen Gott, der mehr in den Herzen der Menschen Wohnstatt sucht als in repräsentativer Architektur. Vielleicht gibt es eine Art göttliche Abstoßungsreaktion, wo sich eine Kirche allzu glatt in der Welt eingerichtet und gegen transzendente Eingebungen immunisiert hat. Vielleicht zerbricht da gerade jemand unser Spielzeug?

Unser Heil hängt nicht an kirchlichen Diözesanstrukturen. Der praktische Beweis wird in den nächsten Jahren auch die deutschsprachigen Diözesen davon überzeugen, ihr Heil nicht in einer reibungslosen Organisation zu suchen, oder wie Papst Franzikus den deutschen Bischöfen sagte: „Es handelt sich um eine Art neuer Pelagianismus, der dazu führt, unser Vertrauen auf die Verwaltung zu setzen, auf den perfekten Apparat.“ Quelle: http://de.radiovaticana.va/news/2015/11/20/ad_limina_der_deutschen_bisch%C3%B6fe_die_papstansprache/1188163

 

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